Gunda Frey

Denken

Wenn rum ist, ist rum

Was, wenn der Tod gar nicht das Ende ist?

Mein Papa ruft an.

Und ich weiß sofort: Das kann nichts Gutes heißen.

Meine Mama liegt im Krankenhaus. Ein Karzinom soll entfernt werden. Sie hat sich immer selbst gemeldet. Immer. Und jetzt ruft er an.

Und dann ist es genau das.

Die Ärzte haben das Karzinom nicht entfernt. Es hat schon überall gestreut. Jetzt sprechen sie von Monaten.

Ich habe auf mein Herz gehört. Auf das, was da in mir passiert. Und das hat mich selbst überrascht.

Da war Frieden. Und der darf bleiben.

Ich habe schon einmal einen Menschen nach Hause begleitet

Vor sieben Jahren lag mein Ex-Partner im Sterben. Wir hatten uns im Guten getrennt, und er hat sich gewünscht, dass ich ihn auf seinem letzten Weg begleite.

Ich wusste also: Er stirbt. Und ich werde dabei sein.

Ich bin christlich aufgewachsen. Sehr streng. In meinem Kopf gab es Himmel und Hölle, Belohnung und Strafe.

Aber das war schon lange nicht mehr meins. Das alte Bild von Leben und Sterben, vom ewigen Himmelreich, war gegangen. Nur hatte sich noch kein neues in mir geformt.

Und das war jetzt der Anlass, mich genau damit auseinanderzusetzen. Wirklich auseinanderzusetzen. Ich habe gelesen, gefragt, gezweifelt. Und langsam ist ein neues Bild in mir gewachsen.

Und so konnte ich ihn ganz friedvoll begleiten.

Es war eine sehr, sehr besondere Erfahrung. Sein Körper konnte nicht mehr viel. Aber in einem bestimmten Moment sind sich unsere Seelen noch einmal begegnet. Ganz still. Ganz schön.

Das berührt mich bis heute.

Wir sind mehr als unser Körper

Ich arbeite seit vielen Jahren als Traumatherapeutin. Ich weiß, wie sehr unser Nervensystem unser Leben prägt.

Unser Nervensystem hat nur eine Aufgabe: uns zu schützen. Unser Überleben zu sichern.

Und dafür folgt es einer Illusion. Der Illusion, dass wir weg sind, wenn wir sterben. Denn es kennt nur das, was es fühlen kann. Diesen Körper. Diese fleischliche Hülle. Weiter reicht sein Blick nicht.

Darum macht uns der Tod so viel Angst. Nicht, weil er schrecklich ist. Sondern weil unser Nervensystem sich nichts anderes vorstellen kann als das Ende.

Das ist kein Fehler. Es macht einfach seinen Job. Aber es erzählt nicht die ganze Geschichte.

Ich glaube, dass wir viel mehr sind als dieser Körper. Mehr als unser Nervensystem. Mehr als unsere Geschichte.

Das Schwierige ist, dass uns die Worte fehlen. Sobald ich Gott sage oder Seele oder Universum, denkt jede an etwas anderes. Ich versuche es trotzdem.

Für mich gibt es eine große, liebevolle Kraft. Eine Essenz, aus der alles kommt. Und jede von uns ist ein kleiner Splitter davon. Ein Seelensplitter, der hierher auf die Erde kommt, um das Menschsein zu erleben. Mit allem, was dazugehört. Mit Freude, mit Angst, mit Liebe, mit Schmerz.

Und wenn die Reise zu Ende ist, geht dieser Splitter zurück. Nach Hause.

Das ist meine Sicht. Nicht die Wahrheit für alle. Aber sie trägt mich.

Niemand sucht sich Krebs aus

Ich möchte hier ganz klar sein: Ich glaube nicht, dass sich jemand Krebs aussucht. Oder Krieg. Oder Gewalt.

Aber ich glaube, dass jede Reise ihre Zeit hat. In meiner Welt gilt: Wenn rum ist, ist rum. Und wie wir gehen, ist dann noch einmal eine eigene Erfahrung.

Eine Krankheit wie Krebs kann auch etwas schenken. Zeit. Zeit zum Abschied. Zeit für Worte, die sonst nie gesagt würden. Zeit für Begegnungen, die vorher nicht möglich waren.

Ein Herzinfarkt nimmt einem diese Zeit.

Meine Mama hatte ein sattes Leben. Mit vielen Erfahrungen. Unser Verhältnis war nicht immer leicht, und das gehört auch dazu. Jetzt darf ihr Körper müde werden. Und sie hat noch Monate, in denen sie etwas erleben darf.

Traurig und friedlich zugleich

Heißt das, ich bin nicht traurig?

Doch. Natürlich.

Ich weine. Ich vermisse jetzt schon. Ich habe Momente, in denen ich denke: Bitte noch nicht.

Und trotzdem ist da dieser Frieden darunter. Ganz ruhig. Wie ein Boden, der hält.

Ich habe gelernt, dass beides gleichzeitig da sein darf. Die Tränen und der Frieden. Die Angst vor dem Abschied und das Vertrauen, dass nichts verloren geht.

Das eine schließt das andere nicht aus. Es ist kein Entweder-oder.

Das Leben vom Tod aus betrachten

Wir leben meistens so, als hätten wir unendlich Zeit. Wir verschieben. Wir warten. Auf später, auf bessere Zeiten, auf den Moment, in dem alles geklärt ist.

Wenn ich das Leben vom Tod aus betrachte, verändert sich etwas.

Plötzlich wird es ganz einfach. Was zählt? Wen liebe ich? Was will ich noch sagen? Wofür bin ich eigentlich hier?

Und gleichzeitig verliert der Tod seinen Schrecken. Er ist dann kein Abgrund mehr. Sondern ein Raumwechsel.

Vielleicht ist genau das die größte Freiheit: keine Angst mehr vor dem Ende zu haben. Und darum endlich ganz da zu sein.

Wie würdest du heute leben, wenn du wüsstest, dass der Tod nur ein Raumwechsel ist?

Alles Liebe zu dir, Gunda


PS: Über genau diese Fragen habe ich ein Interview gegeben, für den Online-Kongress „Das unendliche Leben“ von Family Passioneers. Ab dem 5. November werden dort jeden Abend um 18 Uhr neue Interviews freigeschaltet, kostenfrei. Auch meins wird dort ausgestrahlt. Es geht um Leben, Sterben, Trauer und um die Frage, was bleibt.

Hier kannst du dich kostenfrei anmelden: https://www.family-passioneers.de/das-unendliche-leben

PPS: Rund um den Kongress wird es außerdem einen kleinen Workshop mit mir geben. Nur für einige wenige Menschen. Es wird darum gehen, Sterbenden und Verstorbenen auf einer energetischen Ebene zu begegnen. Mehr dazu erfährst du bald. Wenn du dich jetzt schon gerufen fühlst: Melde dich für den Kongress an, dann bist du ganz nah dran.

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