Ich habe mein halbes Leben nach Antworten gesucht.
Warum werden Menschen, wie sie werden? Warum wiederholen wir Muster, obwohl wir sie längst erkannt haben? Warum haben wir Angst, obwohl wir genau wissen, dass wir gerade sicher sind?
Ich habe Antworten gefunden. In der Psychologie. In der Bindungsforschung. In der Traumatherapie. Im Nervensystem.
Ich habe Bücher geschrieben, Menschen begleitet, Fachkräfte ausgebildet. Und jahrelang gelehrt: Jedes Verhalten hat einen guten Grund.
Das glaube ich immer noch.
Aber irgendwann kam eine neue Frage. Und die hat alles verändert.
Verstehen ist der erste Schritt
Dein Nervensystem hat eine Geschichte. Es hat gelernt, dich zu schützen.
Vielleicht durch Funktionieren. Durch Kontrolle. Durch Anpassung. Durch Rückzug. Durch Kampf.
Das war damals klug. Es hat dich durchgebracht. Und manches davon springt heute noch an, in Millisekunden, bevor dein Kopf überhaupt mitkommt.
Dein Verstand weiß: Alles ist okay. Und dein Körper erzählt etwas ganz anderes.
Vieles davon nennst du heute vielleicht einfach: So bin ich eben.
Aber was, wenn du das gar nicht bist?
Das zu verstehen, ist wichtig. Es entlastet. Es nimmt die Scham. Es macht so vieles sinnvoll.
Aber Verstehen ist nicht das Ende. Es ist der Anfang.
Du musst nicht dein ganzes Leben lang heilen
Schau mal, wie wir darüber sprechen.
Das innere Kind muss geheilt werden. Das Trauma muss verarbeitet werden. Die Glaubenssätze müssen aufgelöst werden. Das Nervensystem muss reguliert werden.
Immer mit derselben leisen Annahme darunter: Da stimmt noch etwas nicht mit mir.
Ich kenne so viele Frauen, die unglaublich viel über sich wissen. Sie kennen ihre Muster, ihre Trigger, ihre Bindungsgeschichte. Sie haben Bücher gelesen, Podcasts gehört, Seminare besucht, vielleicht Therapie gemacht.
Und trotzdem ist da dieser Moment: Und jetzt?
Muss ich mich wirklich den Rest meines Lebens beobachten, regulieren und verbessern? Bis ich endlich geheilt genug bin, um zu leben?
Erinnern statt graben
Ich glaube, an diesem Punkt dürfen wir die Richtung wechseln.
Nicht noch tiefer in die Vergangenheit graben. Sondern uns erinnern.
Wenn ich sage: Wir sind alle göttliche Wesen, dann höre ich ganz oft: Bleib mir weg mit Gott.
Das verstehe ich. Ich bin selbst streng christlich aufgewachsen. Wer Gott hört, denkt meist an den Kirchengott. An Regeln, an Strafe, an jemanden, der von oben auf uns herabschaut.
Den meine ich nicht.
Es ist auch völlig egal, wie du es nennst. Gott. Seele. Universelle Kraft. Essenz. Jedes Wort ist irgendwie besetzt, und keins trifft es ganz.
Aber fast jede, mit der ich spreche, sagt: Da gibt es etwas, das größer ist als ich.
Und jetzt die Frage, die alles verändert:
Was, wenn du das selbst bist?
Was, wenn das Größere nicht irgendwo da draußen ist? Sondern in dir. Als du.
Das meine ich mit Erinnern. Das Erinnern an den Ursprung unseres Seins. An das, was wir sind außerhalb unseres Nervensystems. Außerhalb unserer Geschichte, unserer Prägungen, unserer Schutzreaktionen.
Dein Trauma gehört zu deiner Geschichte. Aber es entscheidet nicht, wer du bist.
Dann ist die Frage nicht mehr: Was muss ich noch heilen?
Sondern: Wer bin ich, wenn ich mich an meinen Ursprung erinnere?
Und deswegen ist es kein neues Wissen, das du lernen musst. Du musst nichts werden. Du darfst dich erinnern, wer du schon immer bist.
Frey sein heißt nicht, keine Angst mehr zu haben
Das ist mir ganz wichtig. Frey sein ist kein Zustand, in dem nichts mehr wehtut.
Dein Nervensystem wird weiter reagieren. Die Angst wird manchmal kommen. Alte Muster werden sich melden.
Aber stell dir vor, die Angst darf mitfahren. Sie sitzt nur nicht mehr am Steuer.
Du kennst deine Geschichte. Aber du musst sie nicht immer weitererzählen.
Und dann wird so vieles anders. Wie du liebst. Wie du arbeitest. Wie du mit Geld umgehst. Wie du mit Unsicherheit lebst. Wie du entscheidest.
Nicht aus dem Schutz heraus. Sondern aus dir heraus.
Die kürzeste Zusammenfassung, die ich kenne
Wenn ich alles, was ich heute weiß, in drei Zeilen sagen müsste, dann wären es diese:
Verstehen, wie du geworden bist. Erinnern, wer du bist. Und dann leben.
Nicht irgendwann. Nicht, wenn alles aufgearbeitet ist. Nicht, wenn dein Nervensystem nie wieder anspringt.
Jetzt.
Ich stelle mein bisheriges Wissen damit nicht infrage. Ich gehe nur einen Schritt weiter. Und ich lade dich ein, mitzugehen.
Was würdest du heute tun, wenn deine Angst nicht mehr entscheiden dürfte?
Alles Liebe zu dir, Gunda





